Aphasisch Betroffene helfen: ein Leuchtturmprojekt

Sie haben sich bewusst entschieden, andere zu unterstützen - und wurden dafür mehrfach belohnt.

Die Aphasie

Aphasie ist ein griechisches Wort und bedeutet Sprachlosigkeit. In der Medizin bedeutet Aphasie: Verlust des Sprechvermögens oder Sprachverstehens infolge einer Erkrankung des Sprachzentrums im Gehirn. So steht es bei Wikipedia.

Die Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfegruppe Aphasie in Waldbreitbach besteht seit 2003. Bis Ende 2016 wurde die Gruppe von ihrem Gründer Josef Kötting, geleitet. 2017 hat Hermann-Josef Wester die Leitung der Gruppe übernommen. „Bei den monatlichen Gruppentreffen wird in ungezwungener Runde, mal lustig, mal ernst, aber immer herzlich, über verschiedene Themen gesprochen. Jeder, egal wie sehr die Sprache betroffen ist, kommt hier „zu Wort“. So beschreibt die Selbsthilfegruppe die Treffen. Und Hermann-Josef Wester organisiert immer wieder spannende Vorträge, interessante Ausflüge und motiviert seine Mitglieder an den Angeboten des Landes- und Bundesverbandes teilzunehmen. Jeder Betroffene ist jederzeit herzlich willkommen – das schließt auch mit-betroffene Angehörige ein!

Das Leuchtturmprojekt

Aphasisch Betroffene helfen – kurz ABh, so der Name des Leuchtturmprojekts. Unterstützt von der Initiative „Wir sind Selbsthilfe“ hatte das ABh-Team zwei große Ziele vor Augen:

  • Aphasisch Betroffene arbeiten ehrenamtlich, um ihre eigene Lebensqualität zu verbessern
  • Aphasisch Betroffene unterstützen Menschen, die in Ausbildung sind, sich beruflich orientieren oder integriert werden

Mitte Oktober 2017 startete das ABh-Team, den persönlichen Ressourcen wieder bewusst. Aktiv wurde das Team beispielsweise

  • über den Verein ConAction in Köln, ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Das ABh-Team unterstützte junge Schülerinnen und Schüler, die am Projekt „Berufsorientierung an der Schule“ in Kölner Schulen teilnahmen.
  • über das Mehrgenerationenhaus in Neustadt-Wied. Das ABh-Team gab Schülerinnen und Schülern unter anderem Nachhilfe. Auch die Familien, etwa von Geflüchteten, werden miteingebunden.
  • über den Verein für Gefährdetenhilfe in Bonn. Das Team schrieb etwa einen Artikel für die Straßenzeitung fiftyfifty
  • Hinzu kamen weitere Einsatzbereiche wie in den Kölner Gesamtschulen Lise-Meitner und Kurt-Tucholsky, während der Ausbildungsbörse der Stadt Köln in der Jugendwerkstatt Ehrenfeld, beim Thementag ParxisParcours an der Katharina-Henoth-Gesamtschule in Köln, im Mehrgenerationenhaus für die Verbandsgemeidne Asbach in Neustadt-Wied (Stand März 2018)

„Eine zuvor nicht gekannte gute Stimmung hat uns ergriffen“

Das Fazit: „Die vielen positiven Begegnungen und tiefgreifenden Erfahrungen glichen die Mühen mehr als aus. Das Projektziel wurde, so unsere Zwischenbilanz, weit übertroffen. Wir Betroffene leben während der vor-Ort-Tätigkeiten quasi auf. Wir gehen auch nach dem mehrmonatigen Einsatz noch gerne und mit großer Freude der selbst gewählten, aber bis dato der uns unbekannten Unterstützungsarbeit, nach. Eine zuvor nicht gekannte gute Stimmung hat uns ergriffen. Die ehrliche Dankbarkeit, die bei den unterstützen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu spüren ist, stärkt den Willen zum Weitermachen. Der respektvolle Umgang miteinander ist sicherlich mit ein Grund dafür, dass die anfängliche Kühle einer Herzlichkeit mit steigender Tendenz weicht. Die Sprachstörung, von uns überbewertet, spielt keine große Rolle. Dieser Lohn wiegt bei uns Betroffenen ähnlich einer Therapie…“, schreibt Hermann- Josef Wester.

Ausgezeichnet!

Ein weiteres Fazit: Im Rahmen der Initiative „Wir sind Selbsthilfe“ zeichnete die IKK Südwest gemeinsam mit den Kontaktstellen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Gewinner im Wettbewerb „Selbsthilfefeuer 2017/2018“ aus. Die Jury, bestehend aus Projektleitung und Vertretern der IKK Südwest, hatte fünf Preisträger ausgewählt, die herausragende, neue Ideen eingereicht hatten – darunter ABh, Aphasisch Betroffene helfen.

Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe:

Hermann-Josef Wester
Kontaktdaten:
Buchenstraße 6 (Westerwaldklinik)
56588 Waldbreitbach
Telefon 02683 – 9437010
E-Mail: h-jwester@web.de

Weitere Infos finden Sie unter http://www.landesverband-aphasie.de/index.php?id=33&language=